Patriks: Englischer Landschaftsgarten unter Moselwein eingeführt

Patrik M. Hassdenteufel

Patrik M. Hassdenteufel

Ende der 60er Jahre bauten meine Eltern ein Haus im Stil eines Bungalows. (Vorbild war dabei die Amerikanische Variante eines Hauses, weniger die Ostdeutsche Gartenhausarchitektur). Das Haus und Gartenanlage waren modern und praktisch geplant. Die Emanzipation der Geschlechter war zu dieser Zeit  in vollem Gange und meine Mutter wollte bequem, wie damals der Zeitgeist es vorschrieb, Haus und Garten bewirtschaften. Kurz und gut, die Gartenanlage war rund ums Haus als Rasenfläche geplant. Einzig vor dem Haus sollte inmitten des Vorgartens eine Blumenschale das eintönige Einerlei unterbrechen. So war es geplant und so wurde es umgesetzt. Rund um den neu gebauten Bungalow wurden mit Schnürchen und Holzstöckchen die zukünftigen Rasenflächen abgesteckt und mit Wasserwaagen ins Lot gebracht. Akkurat und ohne jegliches Gefälle sollte das Grün das Haus zieren. Zeitgleich wurde beim ortsansässigen Baustoffhändler eine Eternitschale in Form einer Rosenblüte gekauft und an geeignetem Ort,  mit pinkfarbenen Petunien arrangiert. Um jeglicher Bodenunebenheit vorzubauen, wurden schließlich die zukünftigen Rasenflächen mit einer Walze verdichtet.

Nach soviel körperlicher Plackerei (Kinderarbeit war leider in den 1960ern noch nicht verboten) gelüstete es mir und meinem Cousin Jo nach geistiger Entspannung in Form eines Gläschens Wein.  Wir wussten, in Onkel Ottos Weinkeller lag eine frische und junge Ernte des Morio Muskats. Der Keller war natürlich vor unbefugten Kinderbesuch verriegelt. Ein Schlüssel besaßen nur Onkel Otto und dessen schwerhöriger Schwiegervater. Der Opa saß zum Glück schlafend in der Sonne auf der Bank, direkt neben ihm lagen die Schlüssel. Diese entwendeten wir für einen kurzen Moment. Schnell eilten wir in den Keller, entnahmen zwei Flaschen des Weines, sperrten zu und legten dem Opa den Schlüssel wieder hin, als wäre nichts geschehen. Gemütlich setzten wir uns auf die noch im Rohbau befindliche Terrasse des Bungalows. Die Gepflogenheiten des besinnlichen Weingenusses waren uns noch fremd und so tranken wir das edele „Tröpfchen“ mit gierigem Schluck. Erwartungsgemäß überfiel uns der Zustand der Trunkenheit. Wir wurden übermütig. Schnell hatten wir die geniale Idee, dieser akkuraten Bodenformation ein wenig Pfiff zu verleihen. Wir spielten, wie sonst nur im Schnee möglich, Adler. Dazu legten wir uns auf den frisch nivellierten Boden, schauten in den Himmel, streckten die Arme seitwärts aus und ruderten so, als flögen wir wie ein Vogel. Es zeichnete sich das Abbild des Bundesadlers ab. An diesem Sommertag flogen die Adler rund ums Haus und schufen eine unvergleichbar geschmackvolle Bodenformation. Die im Gange befindliche „Gartenneugestaltung“ sprach sich sekundenschnell im kleinen Ort herum und es dauerte nicht lange, und meine Eltern eilten herbei. Es setzte eine ordentliche Tracht Prügel wegen der unabgesprochenen Gartenarbeiten – weniger wegen des Morio Muskats.

Frustriert nahm mein Vater den Rechen und begradigte den Garten erneut. Ein Teil der Rassenfläche behielt jedoch die neugestalteten Unebenheiten. Vaters vorausschauende Entscheidung durchbrach erstmalig die Einöde des amerikanischen „Standards“ im Ort. Der Englische Landschaftsgarten erhielt, unterstützt durch die positiven Wirkungen des Moselweins, Einzug ins Saarland! 

 

Patriks: „Wir sind doch alles Sozialisten hier! Oder?“

Patrik M. Hassdenteufel

Patrik M. Hassdenteufel

Katze, mein Jugendfreund, den wir schon im Blog: „Ging daraus die „Katze“ hervor? und im Blog: „Pascal? Wer ist Pascal?“, kennen lernten, zog es nach seinem Studium der Politikwissenschaften natürlich in die große Weltpolitik. Sehr früh, ich glaube schon im Gymnasium,  trat er als Mitglied in die  sozialdemokratische Partei Deutschlands  SPD ein. Diese Partei reflektierte seine politische Gesinnung, seinen vermeintlichen Lebensstil und stand damals weit genug in Opposition zur Partei seines Vaters der CDU. Katzes persönlicher Stil, wie schon andern Orts beschrieben, hatte etwas Legeres. Die Kleidung bewusst nicht an der Mode orientiert, sondern mehr am Zweck, war schon mehr als 10 Jahre eingeführt und getragen.  Die blonden, strähnigen Haare mit Haarklammern an den Seiten befestigt, so stellte er sich den optischen Auftritt des wahren Sozialisten vor. So und nicht anders! Jede Veränderung oder jedes optische Highlight, wie zum Beispiel das Tragen imperialistischen Bekleidungsgutes in Form einer Jeans, entlockte ihm einen angewiderten Gesichtsausdruck. Reaktionärer Ausbeuter war die netteste Beschimpfung, der man sich aussetzte.

Sein Start in der Politik begann als Referent bei einem ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin. Sein Büro lag im alten Reichstagsgebäude in einem Siebzigerjahre Bau, der aus der Mitte des zerbombten Reichstags herauswuchs.

Zum sechzigsten Geburtstag des Bürgermeisters waren alle politischen und wirtschaftlichen Größen des damaligen West Berlins eingeladen. Auch ein Alt- Bundeskanzler befand sich unter den Gästen. Der Bürgermeister lies es sich nicht nehmen auch seine Referenten und engen Mitarbeiter zum Fest einzuladen. Völlig fehl interpretiert (so Katze später zu mir) hatte er wohl den vorgeschriebenen Dresscode der Einladung: „sportlich, legere“. Katze verstand darunter das Tragen seines organge farbenen Trainingsanzugs mit drei braunen Streifen an den Seiten. Diese zweckmäßige Bekleidung erschwerte ihm zunächst nur den Einlass. Verwunderte Blicke ignorierte er oder bezog sie auf seinen Status als Referent des Bürgermeisters. Kurz nach Eröffnen des Buffets kam es jedoch zum Eklat von Seiten der Bürgermeister Gattin, die sich ob der Optik dieses Gastes erheblich gestört fühlte, und darum bat, das Fest unauffällig zu verlassen. Katze, von ihr angewidert, drehte sich zu ihr um und in seiner ruhigen und sachlichen Art, die elegante Gattin fixierend, entgegnete er: „Wir sind doch alles Sozialisten hier! Oder?“  Die  gescholtene und echauffierte Dame zeigte zunächst keine Reaktion.

Aber dieser Abend leitet das abrupte Ende seiner politischen Laufbahn als Referent eines ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von West Berlin ein.

Patriks: Wie gut, dass ich gefahren bin! Was hätte sonst alles passieren können?

Patrik M. Haßdenteufel

Patrik M. Haßdenteufel

Mein Opa – ein ehemaliger Fahrlehrer beim Militär – war, als ich sechzehn Jahre wurde, der Meinung, dass es nun Zeit ist, Fahrpraxis zu sammeln. Er fuhr das Auto aus der Garage, setzte sich auf den Beifahrersitz und ich musste ans Steuer. Los ging es. Ich hoppelte mit dem Opa durchs Dorf. Erstes Etappenziel war der „Steile Berg“ – eine Dorfstraße mit starker Steigung. Anfahren am Berg mit Handbremse war angesagt. Eine erste Herausforderung unter Beobachtung des halben Dorfes. Mir wird heute noch manchmal mulmig, wenn ich in eine Haltesituation am Berg komme. Sofort fällt mir Opas nervöses Gezappel ein unter dem Lächeln der am Straßenrand stehenden Dorfdeppen. So ging es nun einmal in der Woche, zumeist am Sonntag. Die Zeit verging und meine Fahrkünste wurden sicherer.

Richard, ein Freund der Familie, war so beigeistert von meinem persönlichen Fahrstil, dass er mich ermunterte, doch mal zusammen mit ihm seinen neuen Opel Monza zu fahren. Wow, dies war eine Herausforderung. Im Geiste sah ich schon Schulkameraden neidisch am Straßenrand stehen, während ich vorbeifuhr. Der Wagen, goldfarben lackiert, stand auf der Straße vor dem Haus, eingeparkt zwischen zwei Autos. Auf der gegenüberliegenden Seite standen ebenso Autos und ein Zigarettenautomat. (Damals standen diese noch direkt am Straßenrand.) Ich stieg auf der Fahrerseite ein und Richard saß daneben. Spiegelkontrolle, wie beim Opa geübt, Schlüssel in die Zündung, Kupplung treten, Gang rein und langsam aus der Lücke fahren – getreu Opas Anweisung.  Aber das Gaspedal dieses Wagens war so leichtgängig, dass er geradewegs aus der Parklücke auf die gegenüberliegende Straßenseite schoss und dabei den Zigarettenautomaten aus seiner Verankerung riss. Es schepperte und klirrte und der Automat lag verkaufsbereit auf unserer Motorhaube. Geistesgegenwärtig sprang ich nach Aufforderung von Richard auf den Rücksitz, während Richard mit einem Sprung auf den Fahrersitz wechselte. Vom Krach angezogene und herbeieilende Leute sahen nun Richard aus dem Auto steigen. Der mittlerweile eingetroffenen Polizei erzähle er, dass das Gaspedal defekt sei. Eine kurze Überprüfung des Pedals durch einen der Beamten führte dazu, dass Richard aufgefordert wurde, in ein Röhrchen zu blasen. Das Ergebnis war so vielversprechend, dass er zur Blutabnahme musste. Ich dachte nur bei mir: „Was? Der ist besoffen? Wie gut, dass ich gefahren bin! Was hätte sonst alles passieren können?“

Patriks: „Rico, ich kaufe mit gutem Gefühl eine hässliche aber verlässliche B-Klasse.“

Patrik M. Haßdenteufel

Patrik M. Haßdenteufel

„Rico, wir brauchen ein neues Auto“. „Was schwebt Dir vor?“. „Ein Traum wäre der Audi A3. Den 3 er BMW könnte ich mir vorstellen, aber BMW musste ich beruflich immer fahren. Darauf habe ich nicht mehr soviel Lust. Eine Alternative wäre die B- Klasse.“ „Die B-Klasse ist wenigstens praktisch, und sieht schön kompakt aus.“. „Sie ist gewöhnungsbedürftig, eher hässlich!“ „Ja, kann man so sehen. Was unternimmst Du?“ „Oh, ich war sowohl bei Audi und Mercedes auf den Internetseiten und habe mich umgesehen. Bei Audi fand ich einen Wagen, der mir gefällt. Es war nur schwierig einen Ansprechpartner zu finden. Der Verkäufer in der einen Berliner Niederlassung hatte viel zu tun. Die Telefonzentrale verband mich mit einer anderen Niederlassung. Dort konnte man mir aber zum Auto nichts sagen. Ich bat um Rückruf. Bisher warte ich noch.“ „Und sonst? Was war mit Mercedes und BMW?“. „Bei Mercedes fand ich auch einen Wagen. Auf der Internetseite ging direkt ein Chatfenster auf und ich konnte Fragen zum Auto stellen. Und stell Dir vor, die haben direkt vom Internet aus Kontakt mit dem richtigen Verkäufer aufgenommen. Als ich den Chat beendete, rief mich auch schon der Verkäufer an. Heute Morgen gegen 10 Uhr hatte ich einen Termin. Und Du glaubst es kaum, der Wagen stand frisch geputzt vorm Verkaufsraum. Extra für mich bereit gestellt.“. „Und BMW?“ „Nur wenn alle Stricke reissen. Ich will nicht mehr unbedingt….“. „Die von Daimler haben ja wirklich ein großes Interesse  diese optischen Herausforderungen  los zu werden.“ „Aber alles lief perfekt. Ich machte eine Probefahrt. Der Wagen ist nicht übel. Der Verkäufer erklärte mir den Wagen bis ins Detail. Das war mir schon fast zu viel. Danach unterhielten wir uns über kaufmännische Inhalte. Sie kaufen den Alten sogar über Wert zurück. Da konnte ich nicht meckern!“ „Und was ist nun mit dem A3?“ „Ich konnte den Verkäufer heute Morgen schon wieder  telefonisch nicht erreichen. Ich rief ihn, als ich auf dem Weg zu Mercedes war, an. Er hatte wohl gestern keine Zeit gehabt mich zurück zu rufen?“ „Fährst Du vorbei?“ „Hm, und wenn er dann wieder keine Zeit hat?“. „Schon seltsam. Das Geschäft läuft wohl gut bei denen? Und was machst Du nun?“. „Ich kaufe mit gutem Gefühl eine hässliche, aber verlässliche B-Klasse.“

Patriks: Und wie heißt dann die Hl. Inquisition heutzutage? PRISM?

Patrik M. Haßdenteufel

Patrik M. Haßdenteufel

Letzte Woche im Social Media Club: „Die Botschaft muss möglichst über alle Kanäle ausgesät werden. Denn wenn ihr nichts aussät, dann werdet ihr auch nichts ernten. Der Fachbegriff heißt Seeding“.

Irgendwie bekam ich nach dieser Anregung im Club eine Art „déjà vu“. Diese Story kannte ich doch? Genau, vor ein paar Jahren, irgendwann im Winter , verreiste eine hochschwangere Frau mit ihrem Mann. Es sollte eine Städtereise werden. In Aufregung der herannahenden Niederkunft vergaß die werdende Mutter sowohl ein Hotel als auch einen Wagen zu buchen. Da die Niederkunft bevorstand und das Kind an prominentem Ort geboren werden sollte, reiste man auf einem Tier und nächtigte in einer Kschemme.   Das Kind wurde wie geplant, geboren. Ein Junge! Der Junge mit starker sozialer Ader stellte sich als recht pfiffig heraus. Er entwickelte ein für die damalige Zeit fortschrittliches und heute noch immer wirksames Sozialkonzept. Aufgrund fehlenden Marketings und einer funktionierenden logistischen Infrastruktur entsandt er seine Freunde in die Welt, um das Konzept (Botschaft) zu lehren.  Diese Frühform des Marketings war sehr stark auf Mundpropaganda (Word of Mouth) gestützt. Die Überbringer und Lehrer des Sozialwerks hießen, da die Post erst später erfunden wurde, Apostel (lat: ante postula; vor der Post?). Die Namen wie Lukas, Markus, Johannes usw. sind hinreichend bekannt.

Aus meiner Vision erwacht, stellte ich mir die Frage: Wie heißen die Botschaftsstreuer im Social Media Web wohl? Etwa: Pinterest, YouTube, Facebook, Twitter, Yahoo, WhatsApp, WordPress, Flickr, Tumblr, Xing, LindIn und Foursquare?

 Und wie heißt dann die Hl. Inquisition heutzutage?  PRISM?

Patriks: Abschiebung ins Internat

Patrik Hassdenteufel

Patrik Hassdenteufel

In den siebziger Jahren reiste der „Tchibo-Mann“ immer ins Hochland Kolumbiens, um frische Kaffeebohnen zu ernten. Kaffee war damals, wie auch heute ein lebenswichtiges Getränk in der Familie. Es gab ihn am Morgen und am Mittag. Eigentlich stand immer eine Kanne des Getränks auf dem Tisch bereit. Wir tranken ihn zunächst türkisch (d. h. Pulver in die Kanne  und mit heißem Wasser aufbrühen), später, dank der Innovationskraft von Melitta, gefiltert.

Meine Schwester und ich beschlossen, in die Kaffee-Produktion einzusteigen. Wir wussten, dass er gerne gekauft wird – und wir wussten, wo er in unmittelbarer Nähe des Dorfes wächst und schon verarbeitet heranreift. Verarbeitet hieß für uns braun geröstet und gemahlen. Unserem Kaffee fehlte lediglich der starke, aromatische Duft, der sich im Zimmer verbreitete, wenn man die Bohnen frisch mahlte oder ein Paket gemahlenen Kaffe öffnete. Wir sahen einen praktikablen Weg, unserem Kaffe aromatischen Duft zu verleihen. Einige Woche sammelten wir emsig die geleerten Kaffeetüten bei der gesamten Verwandtschaft. Selbst im geleerten Zustand noch verströmten die Tüten das betörende Kaffeearoma.

Nun ging es aufs Feld zum Ernten. Wir ernteten die reifen, braunen Samenkapseln des Spitzwegerichs (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Plantago_lanceolata_(inflorescense).jpg. Streiften den gebräunten Samen in unsere Tüten ab und verschlossen diese mit Tesafilm. Nachdem wir die ersten fünf Pakete befüllt hatten, begann unser Direktmarketing, der „Haustürvertrieb“. Wie klingelten an den Türen. Öffnete sich eine Tür, so begann unverzüglich das Verkaufsgespräch: „Wir waren für Dich (im Dorf duzte man sich) unterwegs in den Bergen und haben frischen Kaffee geerntet. Ein Paket kostet 2 Mark.“ Nach Abschluss der Promotionstour kehrten wir nach Hause zurück. Drei unserer Päckchen erwarteten uns schon auf dem Küchentisch, denn unsere Kunden machten von ihrem Recht auf Rückgabe beim Haustürgeschäft gebrauch. Am Tisch saßen Mama und Papa. Mama drohte zorngerötete mit der Abschiebung ins Internat, Papa belächelte unseren Geschäftssinn …

Patriks: Die Einführung des Techno im Saarland

wpid-20130610_123133.jpgTante Anna, bekannt als muntere Camperin in der Story „Kaffeesatz macht schön“ und Vogelliebhaberin in „Von brechenden Erdbeeren“, setzte sich ihr ganzes Leben für das strikte Einhalten ihrer Schafzeiten ein. Ihr Schönheitskonzept, welches durch Einwirkzeiten diverser Cremes bestimmt wurde, verlangte nach Schlafenszeiten von mindestens 10 bis zu 12 Stunden. Familie und das sonstige Umfeld der Tante hatten sich danach zu richten, ohne jegliches Wenn und Aber. Die Hoffnungen, die Ruhephasen ein wenig verkürzen zu können, zerschlugen sich. Die neue und vielversprechende Salbe einer namhaften Münchner Schauspielerin und ehrgeizigen Bambi-Jägerin zeigte gravierende technische Mängel, worauf die Tante auf ein Integrieren dieser Kosmetik in ihr Revitalisierungskonzept bereitwillig verzichtete.

Die Jahre vergingen, Tante Anna frönte gewohnheitsmäßig ihrem Schönheitsschlaf und es wurde zur Mode, im Sommer die lauen Abende bei Grillen und Chillen draußen zu verbringen. Um diese fremden Gewohnheit  aus dem fernen Amerika ausleben zu können, erweiterte der eine oder andere Besitzer sein beschauliches Siedlungshäuschen durch eine Terrasse oder einen Balkon. Wintergärten sollten im nächsten Jahrzehnt dem Treiben einen neuen Rahmen geben. Auch Tante Annas Siedlungshäuschen wurde zunehmend von solchen Tempeln des neuen Lebensgefühls umzingelt, einem lärmenden Lebensstil, den die Tante sonst nur bei den Fruchtbarkeitstänzen afrikanischer Ureinwohner vermutete. Zu allem Übel gefährdeten hämmernde Beats und das Gequassel der Mitmenschen die kostbaren Ruhezeiten der nach ewiger Jugend trachtenden Tante.

Beschweren bei den Nachbarn führte zu keinem befriedigenden Ergebnis. Das Gießen mit dem Gartenschlauch über die Zäune der Ruhestörer hinweg zeigte gleichfalls wenig Wirkung. Anzeigen wurden von der ortsansässigen Polizei stets belächelt. In Ihrer Verzweiflung erinnerte sich Tante Anna an den ohrenbetäubenden Lärm während eines Berlin-Besuchs. Es gab dort wohl so eine Art von Parade, in welcher die Soldaten in bunten Uniformen  schrill herumhüpften, um der Liebe zu huldigen. Ganz genau diese Musik brauchte sie!

Am nächsten Morgen ging das genervte Tantchen zum ortansässigen Elektroladen, um ein geeignetes Abspielgerät für eine zeitgemäße Art der Siedlungsbeschallung zu erwerben. Der Verkäufer empfahl ihr eine Boombox mit Verstärkern. Nach ausgiebigem Tauglichkeitstest folgte die Tante der fachkundigen Empfehlung. Am folgenden Abend wurde der gesamten Siedlungsgemeinde ein wahres Specktakel modernen Sounds dargeboten – die Einführung des Techno im Saarland.

Zahlreiche Anzeigen wegen Ruhestörung – dieses Mal von den unfreiwilligen Zuhörern initiiert – wurden von der herbeigerufenen Polizei akzeptiert. Von den Ordnungshütern zunächst getadelt, wird noch heute dem Pioniergeist der Tante gedacht, dem Geist einer fortschrittlichen und auf Schönheit bedachten Dame. Und über diese Umwege kam das Flair der fernen Hauptstadt in die ländliche und beschauliche Welt des Südwestens.

PS: Sollte jemand einen Fehler finden, so darf er ihn  gerne behalten. Ein kleines Geschenk von mir.