Patriks: Wie gut, dass ich gefahren bin! Was hätte sonst alles passieren können?

Patrik M. Haßdenteufel

Patrik M. Haßdenteufel

Mein Opa – ein ehemaliger Fahrlehrer beim Militär – war, als ich sechzehn Jahre wurde, der Meinung, dass es nun Zeit ist, Fahrpraxis zu sammeln. Er fuhr das Auto aus der Garage, setzte sich auf den Beifahrersitz und ich musste ans Steuer. Los ging es. Ich hoppelte mit dem Opa durchs Dorf. Erstes Etappenziel war der „Steile Berg“ – eine Dorfstraße mit starker Steigung. Anfahren am Berg mit Handbremse war angesagt. Eine erste Herausforderung unter Beobachtung des halben Dorfes. Mir wird heute noch manchmal mulmig, wenn ich in eine Haltesituation am Berg komme. Sofort fällt mir Opas nervöses Gezappel ein unter dem Lächeln der am Straßenrand stehenden Dorfdeppen. So ging es nun einmal in der Woche, zumeist am Sonntag. Die Zeit verging und meine Fahrkünste wurden sicherer.

Richard, ein Freund der Familie, war so beigeistert von meinem persönlichen Fahrstil, dass er mich ermunterte, doch mal zusammen mit ihm seinen neuen Opel Monza zu fahren. Wow, dies war eine Herausforderung. Im Geiste sah ich schon Schulkameraden neidisch am Straßenrand stehen, während ich vorbeifuhr. Der Wagen, goldfarben lackiert, stand auf der Straße vor dem Haus, eingeparkt zwischen zwei Autos. Auf der gegenüberliegenden Seite standen ebenso Autos und ein Zigarettenautomat. (Damals standen diese noch direkt am Straßenrand.) Ich stieg auf der Fahrerseite ein und Richard saß daneben. Spiegelkontrolle, wie beim Opa geübt, Schlüssel in die Zündung, Kupplung treten, Gang rein und langsam aus der Lücke fahren – getreu Opas Anweisung.  Aber das Gaspedal dieses Wagens war so leichtgängig, dass er geradewegs aus der Parklücke auf die gegenüberliegende Straßenseite schoss und dabei den Zigarettenautomaten aus seiner Verankerung riss. Es schepperte und klirrte und der Automat lag verkaufsbereit auf unserer Motorhaube. Geistesgegenwärtig sprang ich nach Aufforderung von Richard auf den Rücksitz, während Richard mit einem Sprung auf den Fahrersitz wechselte. Vom Krach angezogene und herbeieilende Leute sahen nun Richard aus dem Auto steigen. Der mittlerweile eingetroffenen Polizei erzähle er, dass das Gaspedal defekt sei. Eine kurze Überprüfung des Pedals durch einen der Beamten führte dazu, dass Richard aufgefordert wurde, in ein Röhrchen zu blasen. Das Ergebnis war so vielversprechend, dass er zur Blutabnahme musste. Ich dachte nur bei mir: „Was? Der ist besoffen? Wie gut, dass ich gefahren bin! Was hätte sonst alles passieren können?“

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