Patriks: Abschiebung ins Internat

Patrik Hassdenteufel

Patrik Hassdenteufel

In den siebziger Jahren reiste der „Tchibo-Mann“ immer ins Hochland Kolumbiens, um frische Kaffeebohnen zu ernten. Kaffee war damals, wie auch heute ein lebenswichtiges Getränk in der Familie. Es gab ihn am Morgen und am Mittag. Eigentlich stand immer eine Kanne des Getränks auf dem Tisch bereit. Wir tranken ihn zunächst türkisch (d. h. Pulver in die Kanne  und mit heißem Wasser aufbrühen), später, dank der Innovationskraft von Melitta, gefiltert.

Meine Schwester und ich beschlossen, in die Kaffee-Produktion einzusteigen. Wir wussten, dass er gerne gekauft wird – und wir wussten, wo er in unmittelbarer Nähe des Dorfes wächst und schon verarbeitet heranreift. Verarbeitet hieß für uns braun geröstet und gemahlen. Unserem Kaffee fehlte lediglich der starke, aromatische Duft, der sich im Zimmer verbreitete, wenn man die Bohnen frisch mahlte oder ein Paket gemahlenen Kaffe öffnete. Wir sahen einen praktikablen Weg, unserem Kaffe aromatischen Duft zu verleihen. Einige Woche sammelten wir emsig die geleerten Kaffeetüten bei der gesamten Verwandtschaft. Selbst im geleerten Zustand noch verströmten die Tüten das betörende Kaffeearoma.

Nun ging es aufs Feld zum Ernten. Wir ernteten die reifen, braunen Samenkapseln des Spitzwegerichs (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Plantago_lanceolata_(inflorescense).jpg. Streiften den gebräunten Samen in unsere Tüten ab und verschlossen diese mit Tesafilm. Nachdem wir die ersten fünf Pakete befüllt hatten, begann unser Direktmarketing, der „Haustürvertrieb“. Wie klingelten an den Türen. Öffnete sich eine Tür, so begann unverzüglich das Verkaufsgespräch: „Wir waren für Dich (im Dorf duzte man sich) unterwegs in den Bergen und haben frischen Kaffee geerntet. Ein Paket kostet 2 Mark.“ Nach Abschluss der Promotionstour kehrten wir nach Hause zurück. Drei unserer Päckchen erwarteten uns schon auf dem Küchentisch, denn unsere Kunden machten von ihrem Recht auf Rückgabe beim Haustürgeschäft gebrauch. Am Tisch saßen Mama und Papa. Mama drohte zorngerötete mit der Abschiebung ins Internat, Papa belächelte unseren Geschäftssinn …

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2 Gedanken zu “Patriks: Abschiebung ins Internat

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