Patriks: Boxer von Kind gebissen, Boxer flüchtete

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Zu meiner Geburt bekam Mama von Papa – von ihm erbte ich meinen schrägen Humor – einen Hund geschenkt. Es war ein Boxer namens Senta. Senta, nach der deutsch-österreichischen Schauspielerin benannt.

Senta wurde von Papa so trainiert, dass sie immer neben meinem Korb saß und Wache hielt – sozusagen mein persönlicher Bodyguard. Dieses Dienstverhältnis hielt auch noch zu Zeiten, als ich den Korb schon auf eigenen Beinen verlassen konnte. Und wie auch Whitney Houston hatte ich von Anfang an ein gespanntes Verhältnis zu meinem Beschützer.

An meinem dritten Geburtstag, es war ein verschneiter Tag, fuhren Mama und ich mit dem Zug nach Saarbrücken. Erklärtes Ziel war die Spielwarenabteilung des Karstadt-Kaufhauses, in der ich mir ein Geschenk aussuchen durfte. In Saarbrücken angekommen, ging es jedoch erst zu Brenninkmeyer (heute C&A, Clemens und August Brenninkmeyer), um Kurzwaren einzukaufen. Anschließend ging es in einen Laden für Braut- und Abendbekleidung, da
Mama unbedingt ein festliches Kleid für irgendeine Hochzeit brauchte. Nach gefühlten zehn
Stunden, verbracht mit An- und Ausziehen, unzähligen Pirouetten vor dem Spiegel, Abchecken und Verwerfen, verging mir immer mehr die Lust auf Karstadt.

Endlich im Warenhaus angekommen, stand der Zeiger „meiner“ Kauflust auf null. Aus Angst, in der Spielwarenabteilung wieder solch langwierigen Investitionsprozess mit mir selbst erleben zu müssen. Ich wusste damals noch nicht, dass ich in diesen Dingen mehr nach meinem Vater komme. Und so entschied ich mich gleich im Eingangsbereich von Karstadt für einen Kerzenständer 😉

Unbefriedigt, ob des pragmatischen Geburtstagsgeschenks, beschloss ich am nächsten Morgen, gleich in aller Frühe, nach Saarbrücken aufzubrechen, um mir etwas Schönes zu kaufen. Ich nahm Mamas Regenmantel, Papas Schirm und machte mich auf den Weg. Nach etwa 100 Metern stand urplötzlich Senta vor mir und hinderte mich, meine Reise fortzusetzen. Ich ging einen Schritt zur Seite, der Hund folgte. Einen Schritt in die Gegenrichtung und mein Bodyguard versperrte mir erneut den Weg. Entnervt von dem ganzen Hin und Her, beugte ich mich kurz entschlossen nach vorn und biss dem Hund ins Hinterteil. Der rannte heulend weg, so dass ich meine Reise fortsetzen konnte. Nach weiteren 100 Metern war endgültig Schluss. Mama und Senta hatten mich eingeholt. Der Köter hatte mich wohl verpetzt. Meine Shopping-Tour fand ein schnelles Ende und der Kerzenständer mahnt mich noch heute an zu schnelle Entscheidungen.

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