Patriks: „Weiß Deine Mutter, dass du hier bist?“ „NÖÖÖ“

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Peggy K., geschieden und vormals verheiratet mit dem Tourmanager einer schwedischen Popgruppe, die in den 1970er Jahren ihr Waterloo erlebte, strandete in den 80ern in Saarbrücken. Irgendwann, völlig verarmt – ihr fehlte bei der Scheidung das Talent einer Ivana Trump – gelang es ihr dennoch, einen halbseidenen Kunst- und Literaturkreis in der Saarbrücker Szene zu etablieren. Jeder (d. h. fast jeder) kannte Peggy und fast jeder wollte zu Peggys opulenten Dinners eingeladen werden. Champagner und getrüffelte Spaghettis war das Mindeste, was auf den Tisch kam. Peggy wusste zu leben und sie wusste zu organisieren.

Aus besseren Tagen verblieb ihr ein weitgeschnittener Nerz-Pelz. Diesen Mantel mit seinen ausladenden Innentaschen setzte Peggy gezielt ein, wenn sie zum Beutemachen in Karstadts Lebensmittelabteilung einfiel. Weiße Trüffel (den Pilz und nicht die klebrige Praline), eine Flasche Vollrads…, alles passte rein. Nur einmal stand der Abteilungsleiter direkt hinter ihr und kassierte einen Teil der Diebesware wieder ein. Peggys Entschuldigungsangebot war stilvoll und berechnend zugleich. Es war eine Dinner-Einladung für den gleichen Abend.
Abends, auch ich war erstmals eingeladen, wurden leider nur die billigen schwarzen Trüffel gereicht. Der beklaute Abteilungsleiter erzählte uns, dass man seit längerem den starken Abverkauf der weißen Trüffel beobachte, man aber so gut wie kein Umsatz darauf feststellen konnte. Irgendwann seien die Gründe dieser Beobachtung offensichtlich gewesen;-))

An diesem Abend wurden noch spezielle Gäste erwartet. Peggys beste Freundin Rita hatte einen neuen Lover, den sie in den erlauchten Kreis einführen wollte. Etwas später am Abend, Sekt und Wein flossen in Strömen, bimmelte es an der Tür. Rita und ihr Neuer! Peggy rannte zur Tür und es begann eine innige Begrüßung. Mir wurde ganz mulmig im Bauch. Die Männerstimme kannte ich doch. Oh, Misst… In der Tür stand Onkel Kurt. Zu allem Übel wurde er mir direkt gegenüber platziert.

In einer ruhigen Minute schaute mich Onkel Kurt an und schnauzte: „Weiß Deine Mutter, dass Du hier bist?“
„Nööö“. „Weiß Tante Inge, dass Du hier bist?“

Onkel Kurt rollte die Augen und wir schlossen ein stilles Gentleman-Agreement, das bis heute anhält.

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