Patriks: Die Post ist da

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Zu Weihnachten bekamen meine Schwester und ich ein „Post“- Spiel geschenkt. Solche Innovationen konnte man früher im Neckermann Katalog bestellen. Gerade zu Weihnachten waren diese Kataloge bei Kindern und Damen im Dorf heiß begehrt. So ähnlich wie heute die ebay oder amazon Seiten in Netz. In unserer Postkiste befanden sich Zahlkarten, Überweisungsformulare, Paketpapier und Band, sowie Stempel und Stempelkissen.  Am zweiten Tag langweilten wir uns schon mit dem Spiel zu Tode. Wir hatten zwar Material, um eine Post zu sein, aber wir hatten keinen Kundenverkehr und Briefe zum Austragen kamen auch nicht rein.

Aber wir schafften Abhilfe. Hatte Mutti nicht eine ganze Kiste voller Briefe mit kleinen Bändchen drum? Und sammelte Opa nicht Rechnungen in der Schreibtischschublade? Wir hatten endlich das erforderliche Ausgangsmaterial, um eine richtige Post zu sein. Wir wussten, dass im Dorf die Post immer morgens ausgetragen wird. Die Briefträgerin bimmelte immer kurz, steckte danach die Briefe in den Briefschlitz und rief in eben diesen noch ein kurzes“ Die Post ist da“ hinein.

Am nächsten morgen begannen wir dienstbeflissen mit unserer Arbeit. Wir klingelten kurz an den Türen, steckten einen von Mamas persönlichen Briefen oder eine von Opas Rechnungen in den Schlitz und riefen: „Die Post ist da.“.

Es dauerte nicht lange und die erste, verwundernd Lesende eilte zur Mama und verpetzte uns. In den Händen hielt sie einen Brief von Papa an Mama. Mit Schamesröte im Gesicht schwang sich Mama ins Auto und fuhr die Strassen ab, um  persönlich unseren Dienstgang abzubrechen. Nicht alle ehemals umschleiften Briefe fanden an diesem Tag den Weg nach Hause zurück. Der ein oder andere in Liebe geschriebene Brief blieb in Händen von Sammlern besonderer Literatur. Nur Opas Rechnungen, diese wollte wohl keiner bezahlen, fanden den Weg in die Schublade zurück.

Dieser frühkindliche Botendienst legte die Grundlage für unsere aufblühende Geschäftstüchtigkeit, die im Ort noch heute berühmt ist. Schon bald stiegen wir in die Produktion und den Verkauf von Kaffe ein. Auch wurde unser Geschäftsmodell „Aktion Sorgenkind“ ein finanzieller Markterfolg. Wir betrieben, wenn man so will, ein lukratives  Haustürgeschäft und waren so unabhängig von Taschengeldzahlungen und von daran geknüpften Bedingungen.

Mehr dazu in Kürze..

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