Patriks: Froschküssende Jungdamen

Patrik Hassdenteufel

Patrik Hassdenteufel

Der eifrige Leser mag sich wundern, wie viele Cousinen und Cousins in meinem Block
auftauchen. An dem Ort, in dem wir damals lebten, waren wir mit 90 % der Bevölkerung verwandt. Die übrigen 10 % waren „Ausländer“ aus  Rheinland Pfalz. Im Saarland stehen alle nicht im Land geborenen unter dem Verdacht Ausländer zu sein.
Der hohe Verwandtschaftsgrad im Ort war auch dem Umstand geschuldet, dass mein Großvater eine entferne Cousine gleichen namens ehelichte. So wurden zwei auseinanderfallende Familienstämme wieder eng miteinander verknüpft. Viele dieser Verwanden sind daraufhin gleich drei, vier Mal mit mir verwandt.

Gitti hasste zwei Ihrer Cousinen wie die Pest. Diese beiden Mädchen kamen einzig auf die Welt, um einen vom Opa ausgewählten Prinzen zu heiraten, sich fortzupflanzen, ihre Männer lebenslang hart arbeiten zu lassen, während sie die ortsansässigen Modeboutiquen leeren.

Meine Schwester, sich des Schicksals dieser Jungdamen bewusst, sagte den einfältigen Mädchen, sie wisse, wo es eine Wiese gibt, auf der man Frösche küssen kann, aus denen nach dem genüsslichen Kuss schöne Prinzen entstehen. Die Mädchen witterten eine Chance, dem Einfluss des Opas zu entkommen und die Gelegenheit, das gewünschte Leben früher zu beginnen.

In ihren kleinen roten Prada-Schläppchen folgten sie meiner Schwester in diese ungastliche, sumpfige Gegend.  Es dauerte nicht lange und die froschküssenden Jungdamen steckten im Schlamm fest. Beim Ausgraben ihrer Schläppchen kam natürlich die eine oder andere schlammige Masse in ihre zarten Gesichtchen. Gitti, ihr Ziel erreicht, verabschiedete sich flugs, da sie noch eine Verabredung hätte. Als die klebrigen Damen völlig verspätet zum Tee erschienen, saß Gitti schon im weißen Kleidchen am Tisch und lächelte sie wissend an. Gründe wurden nicht weiter thematisiert.

Eine dieser zarten Geschöpfe blieb der Hoffnung, den Prinzen küssend zu finden, fest verhaftet.
Erwischte ich sie doch neulich bei einem Überraschungsbesuch mit einer Schlammpackung im Gesicht.

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