Patriks: Ging daraus die „Katze“ hervor?

Patrik Hassdenteufel

Patrik Hassdenteufel

Die Furpacher Oma, eine mondäne Dame, die stets mit einem Luchspelz und einer Perücke bekleidet war, wurde mit 63 Jahren erwartungsgemäß zur Witwe. Sie vermisste am Opa vor allem dessen Führerschein inklusive seiner Fahrkünste. (Zur Klarstellung: Besagte Oma gehörte nicht zu meiner Familie. Es war die Oma meiner Jugendfreundin.)

Furpach, ein kleiner Vorort von Neunkirchen-Saar, war so abgelegen, dass man sich ohne fahrbaren Untersatz lebendig begraben fühlte. Und da die Oma vor Vitalität nur so strotzte, war der Entschluss schnell gefasst, schnellstmöglich den Führerschein sowie ein Auto zu ergattern. Der Autokauf gestaltete sich einfach. Schon nach wenigen Tagen konnte sich die Furpacher Oma stolz als Besitzerin einer Corvette bezeichnen. Der Kauf wurde forciert, um das weitere Ziel fest im Blick zu behalten – den ersehnten Führerschein. In ihrem Bemühen war sie bienenfleißig und stattete täglich Ihrem Auto und dem Fahrlehrer einen Besuch ab. Täglich… über drei Jahre hinweg, denn die Fahrkünste der alten Dame gestalteten sich etwas schwierig.

Nach 75 Fahrstunden, zum Schutz der Öffentlichkeit zumeist auf dem Parkdeck des örtlichen Einkaufszentrums abgehalten, meldete sich Oma bei einer zweiten Fahrschule an. Angesichts ihrer überschäumenden Gefühle, war das Auswahlkriterium für den zweiten Anbieter klar – der gut aussehende Fahrlehrer. Nach  300 Fahrstunden, nachdem Oma eine theoretische Prüfung nicht bestand und einmal die praktische Fahrtauglichkeit verfehlte, bekam Oma endlich ihren Führerschein.

Die Liaison mit dem Fahrlehrer zerschlug sich, aber es gab ja „Katze“. Katze war ein Schulfreund von mir. Wir waren gleich alt. Katze brauchte wie die Oma beim Autofahren eine gewisse Praxis. Katze hatte einen hageren, geradezu dürren Körper, trug dazu langes strähniges Haar, welches er mit Haarklämmerchen befestigte. Beim Gehen stützte er sich auf einen Regenschirm. Die eigenwillige Beziehung zwischen Katze und der Oma sprach sich natürlich überall herum. Frau Grünberg, unsere Deutschlehrerin, bezeichnete diese Beziehung als ein „Bratkartoffelverhältnis“. Mir war dies nicht ganz klar, denn weder die Oma noch Katze konnten kochen. Es sah nur zauberhaft aus, wenn eine Corvette bei 30 Stundenkilometern durch die Stadt hoppelte. Drinnen eine Oma mit Pelz, Katze und der Perücke.

Im Laufe der letzten 30 Jahre verlor ich den Kontakt zu beiden. Ich fragte mich neulich:

„Ging aus dieser Beziehung etwa die „Katze“ hervor.“?

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