Patriks: Donatella’s Cousine

Patrik Hassdenteufel

Patrik Hassdenteufel

Früh begannen Gitti und ich mit dem Rauchen. Wir fühlten uns schick und erwachsen. Ich rauchte bevorzugt Lord und Attika. Gitti stand mehr auf Zigarren. Zu dieser Zeit waren Kinder noch mündige Konsumenten und es war relativ einfach, an das köstliche Material heranzukommen. Wir brauchten nur bei der örtlichen Zigarettendealerin namens Regina zu sagen, es sei für Papa, und weitere Nachfragen blieben aus. Lediglich beim ersten Mal schöpfte sie Verdacht, weil Papa sonst immer Oakland rauchte. Doch die Entkräftung des Verdachts war relativ einfach. Ich sagte zur Verkäuferin, dass er mal was Neues ausprobieren wolle. Sie blitzte mich lüstern an und sagte: „Was Neues ausprobieren ist immer gut“. „????„.
Zu unserem Tabakvergnügen gönnten wir uns gelegentlich ein Gläschen Martini Bianco. Dies war aus unserer Sicht der gewünschten Atmosphäre sehr zuträglich. Manchmal erhielten wir auch noch Verstärkung von unseren Cousins Jo und Manuel, was die Ausgelassenheit noch beflügelte.
Die eigentliche Herausforderung unserer Gelage war das Aufspüren geeigneter Örtlichkeiten. Friedlich spielende Kinder waren damals dem Saarländer suspekt. Onkel Otto’s Heuschober entpuppte sich sehr rasch als ideale Location für unsere Treffen. Doch nachdem uns der Onkel eines Tages im Schober störte, war es mit der Idylle vorbei und er vertreib uns wie eine Landplage. Glücklicherweise beendete der Gesetzgeber alsbald unsere erneute Asylsuche, denn von nun an bestand die Pflicht, Öltanks im Keller eines Einfamilienhauses einzumauern. Dadurch hatten wir wieder ein festes Zuhause und gutes Versteck für unsere Vorräte.
Es war ein verregneter Sonntagnachmittag und es erschien uns angebracht, uns zum Chillen zurückzuziehen. Vielleicht waren es zu intensive Zigarettendüfte oder es war Gitti’s Zigarre, auf jeden Fall nahm unser Vater die Fährte auf. Es dauerte nicht lange und unser friedliches Leben wurde jäh zerstört. Es hagelte Backpfeifen wie aus einer Stalinorgel – wegen unserer Wahl der Örtlichkeit und nicht wegen unserer ausgereiften Konsumgewohnheiten. Bei mir führte diese frühkindliche Misshandlung zu stark neurotischen Blockierungen und damit zur Rauchphobie. Gitti hingegen – schon immer mit einem starken Oppositionstrieb ausgerüstet – widersetzte sich. Die Unterschiede, wie wir die Geschehnisse verarbeitet haben, wirken bis heute: Ich konnte bislang mein jugendliches Aussehen bewahrt. Gitti hingegen wird des Öfteren mit Donatella V., einer Mailänderin, verwechselt – beide mit der Haut eines 18-jährigen Pfirsichs.

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