Patriks: Das Wunder von Marpingen

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Marpingen ist ein mittelgroßer saarländischer Ort, an welchem die Mutter Gottes wohl in früherer Zeit einem Mädchen erschien. Und wie sonst bei den Reise- und Auftrittstätigkeiten der heiligen Mutter hinterließ sie auch hier einen Brunnen von besonderer und heilender Wasserqualität – und natürlich ein kleines, windschiefes Kirchlein.

Dieses Wasser, versetzt mit Klosterfrau Melissengeist, bewirkte bei manch gläubiger Hausfrau wahre Wohltaten. An einem warmen Sonntag im Frühling beschloss meine Oma –  um weiterhin auf der Sonnenseite des Lebens existieren zu können – die Vorräte dieses edlen Nasses dringend zu ergänzen. Opa, Oma und ich fuhren also nach Marpingen. An der heiligen Wirkstätte angekommen, zapfte Oma Ihr Trostwässerchen in eine Flasche, welche sie mit einem Plastikstopfen verschloss. Um dem Wasser noch eine besondere Jahrgangsnote zu verleihen, musste im naheliegenden Kirchlein bei innigem Dank um Geschmackskraft gebetet werden. Opa und ich  knieten bereits auf der Männerseite, als auch die Oma auf der Frauenseite niederkniete, um rasch zu beten. Plötzlich jedoch plätscherte das kühle Getränk aus Omas Tasche auf den Kirchenboden. Opa kommentierte knapp aber gut hörbar: „Konnscht Du net vorher off`s Kloo gehn?  (dt. Übersetzung: Konntest Du nicht vorher aufs Klo gehen?)“ Oma, rot vor Scham, eilte aus der Kirche. Die bis dahin in sich gekehrten Betenden brüllten vor Lachen. Für kurze Zeit schlug die Stimmung in eine Art Hofbräuhaus-Atmosphäre um, gelöst und entspannt wie sonst nur nach dem reichlichen Genuss des gesegneten heiligen Drinks.

Oma hingegen, völlig desillusioniert und blamiert, verlor von nun an jegliches Interesse an der Wirkkraft dieser Essenz. Das Wunder von Marpingen!

Patriks: Eigentlich haben Sie alles falsch gemacht!

Patrik Hassdenteufel

Patrik Hassdenteufel

Kürzlich bei der Agentur für Arbeit. Sehr professionell läuft heute alles via Internet und geschalteter kostenloser Hotline. Ob Terminvergabe oder ob Klärungsbedarf vorherrscht, es funktioniert. Der Termin mit der persönlichen Betreuerin nahte. Die persönliche Ansprechpartnerin empfängt bei geöffneter Tür. Dienstbeflissen oder kundenorientiert nimmt sie die zuvor zugesandten und ausgefüllten Unterlagen entgegen, um dann säuerlich zu bemerken: „Ich bin nicht zuständig. Die Zuständigkeiten haben sich mittlerweile verändert.“  Auf fragende Blicke und aufkommendes Unbehagen reagierte sie dann doch lieber mit antrainierter Kulanz. Eine wahrhaft gelebte Kundenverliebtheit. „Da will ich mal nicht so sein, und nehme sie heute an. Aber eigentlich haben sie alles falsch gemacht!“

Wie war es früher? Damals hieß die Agentur noch schlicht „Arbeitsamt“. Die heutigen Kunden nannte man „Ratsuchende“. Der Volksmund benannte sie „Arbeitslose“. Der Umgang mit Ratsuchenden war zugegebener Maßen eher belehrend, als beratend. Kulanz gab es selten. Es war halt ein klassisches „Amt“. War mal eine Leistungsakte nicht auffindbar, und dies kam oft vor, wartete der Ratsuchende. Ein Fall kommt mir in Erinnerung, als vier Wochen die Akte eines Ratsuchenden unauffindbar war. Sie lag „versehentlich“ unter einem Blumentopf auf dem Aktenschrank. Im Schweinsgalopp und aus Angst vor einer Dienstaufsichtsbeschwerde wurde der Antrag im Sinne der damaligen Kulanz bearbeitet. Keine Entschuldigung oder Erklärungen! Heute im Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung und Kundendienstorientierung läuft es eindeutig professioneller, auch wenn oben genannte Dame ein wenig Nostalgie versprühte. Man stelle sich vor, dass Arbeitslose zukünftig im Volksmund nun auch als Kunden betitelt werden. Wie hören sich dann die monatlichen Nachrichten wohl an?
„ Die Agentur für Arbeit in Nürnberg gab heute die monatliche Kundenstatistik bekannt. Im vergangenen Monat verlor die Agentur 300.000 Kunden. Ihre Kundenanzahl fiel erstmalig unter die zwei Millionen Grenze….“
Jedes privatwirtschaftliche und kundenorientierte Unternehmen dürfte bei Börsenöffnung am nächsten Tag Probleme mit dem Aktienkurs bekommen. Doch die „Agentur“ signalisiert mit dem Kundenreduktionsprogramm „Erfolg“. Wir wollen hoffen, dass die Kundenorientierung nicht so weit getrieben wird, dass die Agentur für Arbeit nach solch einer Meldung automatisch auf ein Kundenrückgewinnungsprogramm umschaltet. Wie die Prämien dann wohl aussehen? 150 Leistungstage nochmal zusätzlich bei Verlängerung;-)

Patriks: Von brechenden Erdbeeren

Patrik Hassdenteufel

Patrik M. Haßdenteufel

Tante Anna, wir lernten sie schon als Camperin kennen, wohnte in einem kleinen Siedlungshäuschen an einer Ringstrasse. Es lag Garten an Garten. In Mitten ihres Gartens stand ein riesiger Kirschbaum, der im Sommer eine Pracht an schwarzen und süßen Kirschen hervorbrachte. Tante Anna hatte keine Neigung zu Gartenarbeiten und war auch nicht an den Früchten desselben interessiert. Besonders beliebt waren diese Früchte hingegen bei den ortsansässigen Vögeln. Schon in der Frühe dankten diese der wohlwollenden Spenderin durch beeindruckende Dankesgesänge.

Tante Anna jedoch schätzte und bestand! auf ihren Schönheitsschlaf. Und dieser drohte während der Erntezeit durch den all morgendlichen Krach des Federviehs gestört zu werden.
Das späte Zubettgehen und die lange Einwirkzeit der Hormocenta Faltencreme bedingten das strikte Einhalten langer Schlafzeiten. Die edle Creme wurde Tante Anna von Marika Rökk persönlich im einem Webespott empfohlen. Und auch die auf der Dose festgeschriebene Einwirkzeit von 10 Stunden musste von ihr eingehalten werden. Ein zu frühes Aufstehen war also undenkbar. Auch stand es dem gewünschten Schönheitsergebnis im Wege.

Zum Glück war Tante Annas Mann Jäger, und eine Schrotflinte stand eines Morgens in Griffnähe. Sie öffnete leise an diesem Morgen das Schlafzimmerfenster, um die trällernden Flugtiere nicht aufzuscheuchen, und schoss in den Baum. Eine Nachbarin, die zur gleichen Zeit in ihrem Garten reife Erdbeeren pflückte, rannte Hilfe rufend in ihr Haus.

Der herbeieilenden Polizei reklamierte Tante Anna die Ruhestörungen der Vögel.
Die anzeigende und ängstliche Nachbarin entkräftete sie mit folgendem Vorwurf:
„Was brichst Du auch morgens um 11 Uhr Erdbeeren. Das macht man abends.“;-)

(Anmerkung: In saarländischer Mundart heißt „Erdbeeren brechen“ das gleiche wie sonst „Erdbeeren pflücken“).